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LEBEN UND WERK

Castellio neu beschn.tif

Sebastian Castellio wurde als Sébastien Châtellion in St. Martin du Fresne im damaligen Savoyen geboren. Er studierte in Lyon die alten Sprachen, schloss sich in Strassburg 1540 Calvin an und arbeitete anschliessend in Genf als Schulrektor. Nach Konflikten mit Calvin liess er sich 1545 in Basel nieder, wo er bei dem Drucker Oporin arbeitete und dann Professor für Griechisch an der Universität wurde. Basel war in dieser Zeit ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge aus Italien, Frankreich und den Niederlanden. Castellio stand mit ihnen im Austausch und erregte Aufsehen durch die anonyme Anthologie De haereticis an sint persequendi (Über Ketzer, ob man sie verfolgen soll) von 1554, die gegen die Verfolgung und Verbrennung von Ketzern Einspruch erhob. Die Brisanz dieser Publikation bestand darin, dass inzwischen nicht mehr nur durch die katholische Kirche, sondern auch im calvinistischen Genf ein Häretiker, der Spanier Michael Servetus, wegen Irrlehren verbrannt worden war. Weniger prominente Täufer waren in der reformierten Schweiz ebenfalls zum Tode verurteilt und ertränkt worden und in Frankreich bahnten sich blutige Konfessionskriege an. Seine Auffassung, dass religiöse Lehren keine Angelegenheit der weltlichen Behörden sei, suchte er in der Folge mit theologischen und erkenntnistheoretischen Argumenten zu untermauern und verteidigte dabei die kritische Hermeneutik seiner Bibelübersetzungen. Diese letzten Schriften wagte er angesichts der Angriffe aus Genf, die auch die Basler Behörden unter Druck setzten, nicht mehr zu veröffentlichen. 

BEDEUTUNG

Castellio wurde damit zu einem der Väter des Toleranzgedankens im 16. Jahrhundert. Er ist mit seinen Auffassungen Erasmus verpflichtet, aber an Stelle der Gewissheit, dass das Christentum letztlich Recht behalten müsse, treten bei ihm Denkfiguren einer modernen, autonomen Moral. Seine Haltung ist in einer Skepsis begründet, die er in seiner erst nach seinem Tode veröffentlichten Schrift De Arte Dubitandi entwickelt. Aus seiner Sicht gibt es Fragen des Glaubens, über die nicht mit dogmatischem Wahrheitsanspruch entschieden werden kann. Für diese Fällen gilt es, die Kunst des Zweifelns auszubilden. Der Glaube, zu dem er sich bekannte, muss in vielen Fragen auf allgemeingültige Bestimmtheit verzichten und stützt sich stattdessen vernünftige, für alle nachvollziehbare Argumente, auf die Reflexion im Medium des Bibeltextes und die Auseinandersetzung mit der Unterbestimmtheit von dessen Übersetzung. Seine Schriften wurden verboten, aber in ganz Europa nachgedruckt und verbreitet. Toleranzdenker von Locke und Bayle bis Lessing hielten seine Überlegungen und seinen Mut in Ehren. Im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts wurde die Lektüre seiner Schriften wegweisend für die Konzeption eines laizistischen Staates, der mit der Trennung von Kirche und Staat die Rechte religiöser Minderheiten zu stärken versprach. Im Zwanzigsten Jahrhundert setzte Stefan Zweig mit dem Roman Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt (1936) Castellio ein Denkmal, das bis heute die Leser und Leserinnen in seinen Bann zieht.

EPITAPH

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Castellio wurde im Kreuzgang des Basler Münsters beigesetzt. Polnische Studenten stifteten ein Epitaph, das später unter ungeklärten Umständen verschwand. Der Text des Epitaphs ist in mehreren Inschriftensammlungen und Gedenkpublikationen überliefert. 

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Zur Geschichte und Rekonstruktion des Epitaphs wurde von unserem Mitglied Dr. Peter Litwan eine hier einzusehende Broschüre erstellt. Seine Thesen zum Ort im Kreuzgang hat er für den Bd. 4 der Schriften der ICG auf den neuesten Stand gebracht. 

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Vorstand

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Dr. Karsten Engel (Präsident)

Vincent Frieh (Kassier)

Dr. Claudia Daniel-Siebenmann

Prof. Dr. Brigitte Hilmer

PD Dr. Stefania Salvadori

Prof.Dr. Cédric Scheidegger Lämmle

Dr. Uwe Justus Wenzel

Prof. Dr. Ueli Zahnd

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Revisoren

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Dr. Gunnar Mikosch

Roger Thiriet

Kontakt​

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Internationale Castellio Gesellschaft

c/o Fachbereich Latinistik

Departement Altertumswissenschaften
Petersgraben 51
CH-4051 Basel

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Bankverbindung

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Basler Kantonalbank, IBAN CH46 0077 0254 2106 6200 1

SWIFT BKBBCHBB

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